Pestizideinsatz in der Landwirtschaft – eine Gefahr für unsere Bienen?


Zur Themenreihe “Landwirtschaft und Bienen“ sprach am 09.06. Dr. Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim Zum Thema : Pestizideinsatz in der Landwirtschaft – eine Gefahr für unsere Bienen?

Die Veranstaltung war eine Premiere im neuen Imkerpavillon auf der Landesgartenschau in Öhringen.

Die Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim versteht sich auch als Vermittlerin von Basiswissen an die Studierenden der Universität und konnte in diesem Zusammenhang über 50 Studierende für die Bienenkunde gewinnen.

Dr. Wallner ist selbst Imker und kam über die Hobbyschiene zur Wissenschaft.

Ein wichtiges Anliegen ist ihm, zwischen den am vorliegenden Thema beteiligten Akteuren zu vermitteln. Imker, Landwirte und chemische Industrie müssen miteinander reden, denn die Interessen greifen ineinander.

Bienen bestäuben die Blüten, die auf den Kulturen der Landwirte wachsen. Der Landwirt hat ein ökonomisches Interesse am Ertrag seinen Kulturen. Am Beispiel Raps sind eine Vielzahl an Insekten und Pilzen vorhanden, die den Ertrag schädigen und daher werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Der Landwirt muss einen Sachkundenachweis erbringen, um die Mittel ausbringen zu dürfen. Die Mittel sind erlaubt.

Der Imker wünscht sich eine Landwirtschaft ohne den Einsatz an Pestiziden und fürchtet Schäden an Bienen durch fehlerhaften Einsatz der Pflanzenschutzmittel sowie Rückstände im Honig.

 

Welche Lösungen sind für dieses Dilemma denkbar?

 

In den Medien wird von Bienensterben berichtet, dies betrifft hauptsächlich die Wildbienen, viele sind schon nicht mehr vorhanden und ca 250 Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Honigbiene, so Wallner, wäre längst ausgestorben, wenn sich die Imker nicht um sie kümmern würden, Wildbienen jedoch haben keine Lobby.

Zum Schutz der Bienen greift ein gesetzliches Regelwerk, das mit dem Pflanzenschutz abgestimmt ist. In Deutschland gibt es ca. 1 Million Bienenvölker, die Vergiftungen von Bienenvölkern durch unsachgemäße Anwendung von Pestiziden betragen ca. 20 Fälle pro Jahr.

Auf der Wunschliste der Bienen und Imker steht die Blütenvielfalt durch das ganze Bienenjahr. Die verfügbare Fläche für die Bestäubung geht in den Industrielandschaften laufend zurück. Die Bienen leben in einer von Menschen gestalteten Landschaft, es gibt kaum noch Landschaftsräume, die sich selbst überlassen sind. Der Siedlungsraum ist verdichtet, in Städten gibt es jedoch Parks und Hausgärten mit Blühpflanzen.  Die moderne Landwirtschaft arbeitet großflächig und baut das an, was einen guten Deckungsbeitrag bringt,

Im Ackerbau finden wir eine Konzentration auf wenige, meist für Bienen uninteressante  Pflanzen auf großen Flächen, frei von blühenden Kräutern. Raps ist die letzte blühende Ackerpflanze. Die Honigbiene kann in einem Radius bis zu 6 km fliegen und findet die Blüten z. b. in den Gartenanlagen, die Wildbiene fliegt nur in einem Radius von ca. 150 m.

Im Futterbau (Milchwirtschaft) finden wir ebenfalls immer mehr die rationell arbeitenden Großbetriebe. Das Grünfutter wird früh zu Silage geerntet, die Heuwerbung ist stark rückläufig. Es findet eine Selektion der Pflanzengesellschaft statt, es bleibt kein Samen mehr auf der Wiese, die Kräuter werden zurückgedrängt, es bleibt nur noch Gras. Esparsette, Luzerne, Wicken, Klee, Ernährungsgrundlage für Honig- und Wildbienen sind verschwunden. Die Bienen haben im Frühsommer große Brutnester spekulativ auf reiche Nahrung angelegt, wenn siliert wird, ist diese in wenigen Stunden weg.

Bei Streuobstwiesen ist das Problem., dass das hier erzeugte Obst nicht mehr den Tisch des Verbrauchers erreicht, niemand setzt sich wirklich für das Potenzial dieser Flächen ein, die Bäume blühen zwar, die Grasflächen darunter, die eine Blumenwiese sein könnten, werden gemäht oder gemulcht, das Gras bleibt liegen, Jahr für Jahr. Auch hier ziehen sich die Kräuter und Blühpflanzen zurück zugunsten von Gras. Nach der Obstblüte bleibt eine grüne Wüste. Den Muttertagsstrauß von der Obstwiese gibt es nicht mehr. Um hier eine Veränderung herbeizuführen, gibt es inzwischen Projekte

für Streuobstwiesen, die wissenschaftlich begleitet werden

Im ländlichen Raum gibt es zunehmend weniger Blüten. Die Trachtpflanzen sind Obst und Raps, die außerdem landwirtschaftlich intensiv genutzt werden. Dadurch sind die Bienen den Pflanzenschutzmaßnahmen in diesen Kulturen immer stärker ausgesetzt und es tauchen zunehmend Pflanzenschutzmittel in Bienenprodukten auf.

Verbraucher glauben, wenn bestimmte Wirkstoffe verboten würden, dann sei die Welt der Biene wieder in Ordnung, leider ist das nicht so.

Um seine Kulturen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen, kann der Landwirt auf Pflanzenschutzmittel nicht verzichten. Gerade bei Raps findet während der Blüte ein Angriff von Insekten und Pilzkrankheiten statt. B4 Präparate sind nicht bienengefährlich und dürfen während der Blüte gespritzt werden. Auf dem Versuchsgut Ihinger Hof der Uni Hohenheim

wurde die Dropleg Spritztechnik entwickelt und erprobt, die die Spritzdüsen unterhalb der Blütenebene durchzieht, sodass der Wirkstoff auf die Stängel der Pflanze trifft, die Blüten aber nicht benetzt werden. Das hat die Rückstände in Honig und Pollen radikal gesenkt und hat außerdem den Vorteil, dass es bei Wind keine Abdrift des Pflanzenschutzmittels gibt.

 

Für bienengefährliche Präparate (B1 undB2) gibt es in Deutschland klare Richtlinien für die Anwendung, es gab bisher keine Schädigungen.

Honigbienen sind hochempfindliche Risikoindikatoren. Die ältesten Bienen eines Volkes sammeln und erproben die Tracht. Wenn es ihnen dabei nicht gut geht, kehren sie nicht in den Stock zurück. Trotzdem findet ein Wirkstofftransport bis ins Bienenvolk und in den Honig hinein statt.

Im Institut für Bienenkunde werden rückkehrende Bienen eingefangen und schockgefroren.

Die Honigblase wird geöffnet und der Nektar in ein Probeglas gegeben, am ersten Tag der Probe ist der Wirkstoff hoch, sinkt aber bis zum 4. Tag kontinuierlich. Bienen können den in der Honigblase enthaltenen Wirkstoff reduzieren, oft bis zum Faktor 1000. Im Ergebnis ist weniger Wirkstoff im Honig, als auf dem Feld aufgenommen wurde.

Bei der Analyse der Honige, sind die Rückstände aus der Rapsbehandlung am höchsten, aber unter dem zugelassenen Grenzwert.

Andere Rückstände kommen aus der Varroabehandlung aber die heute verwendeten Produkte hinterlassen weit weniger Rückstände als dies früher der Fall war.

 

Inzwischen gib es bereits Kooperationen zwischen Imkern und Rapsbauern, um die neue Spritztechnik gemeinsam zu finanzieren und einzusetzen. Imker müssen mit ihren Anliegen auf Landwirte zugehen, es fehlt oft nicht an gutem Willen, wenn man gemeinsam eine Sache besser machen kann, z. B. abends nach dem Bienenflug  oder morgens früh zu spritzen.

Grundsätzlich ist  festzustellen, dass es angesichts der Genauigkeit und Feinheit der heutigen Analysemethoden unbelastete Lebensmittel nicht mehr geben kann.

Renate Heinrich